Servus ihr Lieben,
nun melde ich mich endlich mal wieder mit einem Update. Am Montag letzter Woche hat mein Praktikum am Kulturforum der Österreichischen Botschaft begonnen. Wollt ihr die gute oder die schlechte Nachricht zuerst hören? Okay, erst die gute: Wir haben ein sehr schönes Büro, insgesamt sind die Räumlichkeiten der Botschaft sehr beeindruckend, aber nicht zu einschüchternd. Ich habe mich gleich wohl gefühlt, vor allem, weil meine zwei Vorgesetzten (die Kulturattaché und ihre Assistentin), meine Mitpraktikantin (die kleine Astrid aus dem Südtirol mit einem Dialekt zum Knuddeln...) sowie die fünf weiteren Praktikanten aus anderen Botschaftsabteilungen alle sehr nett sind und schnell eine gewisse Vertrautheit zwischen uns entstanden ist. Wir essen immer mittags gemeinsam in der Küche unsere mitgebrachten Sandwichs, Salate usw., das spart Geld und ist „very social“. Am Freitag haben wir zusammen das Washingtoner Nachtleben ausgekostet. Jeden Freitag Nachmittag gibt es ein „Kaffeekränzchen“ für alle Botschaftsangehörigen – ein netter Start ins Wochenende.
Und nun die schlechte Nachricht: Momentan gibt es im Kulturforum für uns zwei Praktikantinnen einfach viel zu wenig zu tun. Selbst für eine gäbe es zu wenig zu tun, um einen Arbeitstag zu füllen. Oft gibt es sogar, bis auf 10-20 Minuten am Tag, gar nichts zu tun, so dass uns Enrica, unsere Chefin, meist früher nach Hause schickt, letzten Donnerstag hatte ich sogar komplett frei und für nächsten Freitag hat sie uns einen weiteren freien Tag angeboten, weil Donnerstag eh Feiertag ist und sie nicht weiß, womit sie uns am Freitag beschäftigen soll.
„Was mosert die Linda denn herum?“ werden jetzt einige von euch fragen... „soll sie doch die Sonne genießen, Mittagsschlaf halten, Eichhörnchen im Park zählen... Stress im Job wird sie nach dem Studium schon noch genug haben.“ Ja, sage ich, das stimmt. In der ersten Woche fand ich es ja auch ganz cool, denn ich kann die freie Zeit momentan gut für meine Hausarbeit gebrauchen und genug interessante „Sights“ und Events gibt es in D.C. allemal, so dass einem nicht unbedingt langweilig wird. Aber ich habe mir eben auch sehr viel von diesem Praktikum versprochen, sollte es mir doch den lang ersehnten Einblick in die (internationale) Kulturarbeit verschaffen. Nach Praktika in Unternehmen und Agenturen, die zwar intensiv und auch ganz interessant waren, aber nicht unbedingt dem entsprachen, was ich mir inhaltlich von meinem späteren Job erhoffe, hatte ich meine große Hoffnung auf die Arbeit einer Kultureinrichtung gesetzt. Das Problem ist nicht, dass die Arbeit des Kulturforums generell langweilig ist und nie etwas passiert – sondern das wir uns auf den Sommer zubewegen und zwischen April und Juni nur insgesamt zehn Veranstaltungen stattfinden (im Vergleich: Von Januar bis März gab es teilweise zwei bis drei Veranstaltungen pro Woche!), im Juli und August ist gar kein Programm, sondern das Herbstprogramm wird vorbereitet. Trotzdem dachte ich, es gäbe genug zu tun, da sie ja immerhin zwei Praktikanten beschäftigen – doch da haben sie sich irgendwie verkalkuliert, zumindest ist das mein Eindruck nach einer Woche vor Ort. Ich will allerdings nicht zu negativ sein. Wie gesagt, meine Mitpraktikantin ist sehr nett und bisher haben wir uns die Zeit ganz gut vertrieben. Und wenn nichts zu tun ist, dürfen wir früh gehen und können interessante (politische) Konferenzen, Seminare usw. besuchen (wo man fast immer Kekse, Kaffee, manchmal belegte Brote abstauben kann. Das erfreut mein Herz, wie ihr wisst). Eventuell wird sich das Arbeitspensum auch noch etwas ändern, da ich im Juni die einzige Praktikantin sein werde und für zwei Wochen sogar ganz alleine, weil dann meine Chefin im Urlaub ist und ich ein Jazz-/Soul-Konzert, das sich vielversprechend anhört, organisieren und betreuen darf. Auf dieses Projekt freue ich mich. Und vielleicht gibt es dann im Juli einiges für den Herbst zu organisieren, wir werden sehen...
Wo ich gerade vom Essen sprach: Ihr glaubt nicht, wie leicht man sich hier in D.C. kostenlos durchfuttern und durchsaufen kann. Man muss nur zu Vorträgen, kulturellen oder politischen Veranstaltungen gehen, wo sich vor allem Diplomaten, Akademiker und andere Leute, die kostenlose Häppchen eigentlich nicht nötig haben, herumtreiben. Man kann die Leute hier in zwei Kategorien einteilen: Diejenigen, die aus Interesse zu einem Event gehen und dann erfreut feststellen, dass es zusätzlich zu dem interessanten Programm auch noch Lachsschnittchen gibt. Und diejenigen, die die Veranstaltungskalender nach den Stichwörtern „Light refreshments will be served“ und ähnlichem durchstöbern, eine knappe Stunde zu spät erscheinen und sich dann als erste auf das kalte Büfett stürzen und es als letzte verlassen, in der Hand in Servietten eingewickelte Käsewürfel. Leider treiben sich einige dieser Exemplare auch bei den Veranstaltungen des Kulturforums herum, was bei mir und Astrid gestern schon zu empörten Lästereien über diese „skrupellosen Möchtegern-Schnösel“ geführt hat.
Dabei kann man nicht sagen, dass die Amerikaner beim Essen zu kurz kommen... Schon mal einen D.C.-Club-Sandwich bestellt? Bei uns in Europa bescheiden aber ehrlich mit einer Scheibe Schinken, Käse, Salat und Tomate belegt, präsentiert sich der amerikanische Sandwich im Allgemeinen von seiner „Gottfried-Fischer-Seite“. Neben Hähnchen, Schinken und Salami findet man oft noch weitere unidentifizierbare Wurtscheiben auf einem (!) Sandwich, in harmonischer Vereinigung mit orange-farbenem Käse, Gewürzgurke, Gurke, Salat, diversen Saucen... fehlen nur noch die Pommes auf dem Sandwich – aber nein, die legen sie netterweise auf den Teller neben den Sandwich. Mein Geständnis: Bei so gut gemeinten Portionen muss selbst ich kapitulieren.
Angesichts dieser Nahrung ist es nicht verwunderlich, dass sich eines der Klischees über die Amis in meinen Augen bestätigt hat: Sie sind fett! Natürlich nicht jeder einzelne der 200 Millionen... einige sind auch überraschend sportlich, joggen jeden Tag durch D.C. Aber ich habe noch nirgendwo so viele übermäßig fette Menschen in so kurzer Zeit gesehen wie hier. Na dann guten Appetit. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, einen Hip Hop Kurs anzufangen – endlich wieder tanzen! - morgen schaue ich mal bei dem Tanzstudio vorbei.
Die USA – ein widersprüchliches Land. Ein Land, in dem technologische Wunder vollbracht werden – und in dem trotzdem jeden Tag die Rolltreppen stehen bleiben und die Metro-Türen nicht schließen wollen. Ein Land, in dem ein Fernsehmoderator nicht „Fuck“ sagen darf, ohne von einem hysterischen „Beeeep“ unterbrochen zu werden – und tagsüber Fernsehwerbung für Viagra und Genitalherpis rauf und runter läuft. Ein Land, in dem trotz aller Fortschritte der letzten Jahrzehnte, trotz aller Diskussionen und Obamas dieser Welt die „Rassentrennung“ bzw. die (soziale) Benachteiligung der afroamerikanischen Bevölkerung nach wie vor ein offentsichtliches Problem ist. Ein Land, das in unzählbar viele Kriege gezogen ist – und sich amerikanische „Hardcore-Christen“ immer noch am meisten über Abtreibung den Kopf zu zerbrechen scheinen und den Supreme Court mit erhobenen Händen und eindringlichem Singsang um Einsicht anflehen (haben wir gesehen...).
Ich bin gespannt wie es weitergeht. Bei mir – und bei euch... über E-Mails freue ich mich immer.
Als nächstes großes Event steht voraussichtlich New York vom 22. bis zum 26. Mai an.
Liebe Grüße in die Welt
Linda
P.S.: Ach so, das Wichtigste habe ich vergessen... das Wetter! Wechselhaft – Heiß bis Sturmflut!

1 comment:
Ist zwar schon etwas älter der Blog, aber trotzdem:
Ich würde total gerne mal die Werbung FÜR Genitalherpes sehen:
"Kriegen Sie Genitalherpes! Die Krnakheit ist unterschätzt und vom Aussterben bedroht"
Oder besser:
"Bei dem Kauf von einem Kasten Bud light infizieren wir einen Menschen mit Genitalherpes" - mit Günther Jauch als Testimonial (oder wer auch immer bei euch da drüben Günther Jauch ist...)
Gruß
Hendrik
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