Hallo alte Welt,
ein erster, herzlicher Gruß aus der mächtigsten Stadt der Welt – nein, nicht Moskau! Ich bin gut hier angekommen am letzten Freitag nach einem recht entspannten Flug in einem Flugzeug, das nur etwa zu einem Viertel besetzt war (Rüdi wird schimpfen), so dass ich die gesamte Reihe für MICH, MICH, MICH allein hatte und mich medial entertainen ließ. Aufgrund meines DIPLOMATENvisums musste ich bei Ankunft weder Fingerabdruck- noch Iris-Scan bei den netten amerikanischen Beamten über mich ergehen lassen. Ich bin ja so wichtig.
Um den Jetlag zu überlisten, hat Jack mich den Rest des Tages auf Trapp gehalten und mich abends zu wirklich leckerem Sushi und Bier am Dupont Circle (recht studentisches Viertel) ausgeführt. Und es war so warm, dass wir bis nach Sonnenuntergang in T-Shirt draußen sitzen konnten. Wenige Minuten später allerdings, als wir aus der Metro stiegen und zu Fuß zu unserem Apartment laufen wollten, schüttete es wie aus Eimern und stürmte, so dass wir für den kurzen Weg ein Taxi nehmen mussten. An schnelle Wetterumschwünge muss man sich hier anscheinend gewöhnen. Aber seitdem war es eigentlich die ganze Zeit sonnig, ab und zu etwas frisch (vor allem in geschlossenen Räumen... Air Conditioning... grrr!), aber zum Wochenende hin soll es richtig warm werden, etwa 25 °C – schööön! Ich weiß, warum ich nicht in Moskau bin.
Mit unserem Apartment haben wir es gut getroffen - unser Vermieter ist also nicht mit unserer Kaution nach Mexiko durchgebrannt, wie wir vor Ankunft befürchtet hatten. Wir haben viel Platz, einen großen Raum mit Schlafsofa, Bett, Tisch, Sessel, Fernseher, Schränken (viel Platz für neue Klamotten... zwei Jeans und ein Washington D.C. Pullover sind schon auf mysteriöse Weise dazu gekommen), eine Küche und ein Bad. Eigentlich ist alles da, was man braucht – und was nicht da war, haben wir gestern in einem hypnotischen Großeinkauf in einem riesigen Billigmarkt erstanden, in dem Jack und ich übrigens die einzigen Weißen weit und breit waren. Auch eine Erfahrung. Ich bekam meinen Wäscheständer, da ich den amerikanischen Wäschetrocknern nicht traue (ebenso wenig den Waschmaschinen – aber was soll ich machen?!). Jack bekam seinen Wasserkocher, um seine 8 Tassen Tee am Tag bewältigen zu können.
Seit Montag sind wir nun jeden Tag in der größten Bibliothek der Welt – der Library of Congress: It wipes the floor with Lüneburgs pooh pooh library! Nenn mir ein Buch – und ich finde es. Die haben alles. Sogar eine ausladende Faulstich-Kollektion (habe ich natürlich gleich gecheckt). Aus diesem Grund ist es gar nicht so schlimm, dass ich hier noch eine BWL-Hausarbeit aus dem letzten Semester schreiben muss. Doch natürlich könnte ich mir in meinen ersten D.C.-Wochen besseres vorstellen als meine Tage in der Library zu verbringen. Naja, Jack, der hier an seiner Doktorarbeit als Research Fellow am John Kluge Center weiterarbeitet, freut sich über meine Gesellschaft in seiner Mittags- und Teepause.
Heute habe ich zum ersten Mal das Capitol Building und die National Mall aus nächster Nähe gesehen. Wirklich beeindruckend. Und bei strahlend blauem Himmel sogar noch schöner. Der Frühling scheint hier wirklich sehr warm – für uns Deutsche gar sommerlich – zu sein. Die riesigen Rasenflächen zwischen Capitol Building und Washington Monument (wahrscheinlich das größte Phallus-Symbol der Welt... komisch, warum denke ich schon wieder an Herrn Faulstich?) waren von jugendlichen Sportlern, Studenten, Sonnenanbetern, Spaziergängern, Hunden, Eichhörnchen, Joggern bevölkert: Outdoor-Life, wie ich es in Australien zu lieben gelernt habe. Ich freue mich darauf (wenn ich dann endlich irgendwann meine Hausarbeit beendet haben werde), nach der Arbeit mit Jack hierher zu kommen, zu entspannen, Leute zu beobachten, die Sonne zu genießen.
(Ups, gerade läuft American Idol im Fernsehen... die Welt ist doch ein Dorf!).
Die Amerikaner sind mir bisher nicht negativ aufgefallen – im Gegenteil. Oft wurde mir schon Hilfe von Fremdem angeboten, z.B. als ich heute etwas verloren auf meine Lonely Planet Karte starrte (natürlich hatte ich den vollen Durchblick!). Auch bin ich positiv überrascht, dass man nicht unbedingt von Coke und Burger eben muss. Es gibt Alternativen. Wir werden wohl öfter zum Eastern Market, der in unserem Stadtviertel Capitol Hill ist, schlendern, um frisches Obst, Gemüse, Fleisch zu kaufen. Nach Georgetown – das ich bereits als mein Lieblingsviertel erklärt habe, obwohl es etwas schlecht zu erreichen ist, da dort keine Metrostation ist – steht unser Viertel Capitol Hill ganz oben auf meiner Liste. Die Häuser sind alle in verschiedenen Farben, richtig bunt.
Natürlich gibt es auch Dinge, die hier einfach anders und merkwürdig sind – hier etwas Lustiges zum Abschluss: Auf den Toiletten in der Library of Congress hängen überall Schilder, die auf einer ganzen Seite ausführlich beschreiben – 1. wann man seine Hände waschen sollte und 2. wie man sie wäscht. Der erste Punkt (von etwa zwölf) unter 1. lautet: Nachdem man seinen Mund, seine Nase, seine Ohren oder seine Haare berührt hat, soll man seine Hände waschen... Hallo? Soll ich den ganzen Tag im „restroom“ (für die Engländer: loo) verbringen, oder was? Und dass ich zum Hände waschen das Wasser aus dem Hahn und nicht etwa meine eigene Spucke verwende, sollte eigentlich auch „common sense“ sein – aber wer weiß...
Mein Praktikum beim Österreichischen Kulturforum (www.acfdc.org) beginnt am kommenden Montag, doch Jack und ich werden uns schon diesen Freitag eine Ausstellung und einen Film über Moslems in Österreich dort anschauen.
Und nun entlasse ich euch aus meinem ersten Blog-Eintrag.
Doch der nächste folgt sogleich (frei nach Wilhelm Busch).
Gute Nacht.

2 comments:
Test! Does this commenting this actually work?
lol - no friends! says Jack! bet you were excited at this comment too cos you thought it was a friend from home ;) nah nah nu
Post a Comment